Corvina – Viel mehr als nur eine Verbindung

Von Noelle Matter   

Ich bin nun die dritte Generation meiner Familie, die Mitglieder für die Corvina stellt. Von meinem Grossvater ist leider nichts von seiner Zeit in der Studentenverbindung bekannt. Das Einzige, was mir als Beweis dient für seine Mitgliedschaft, sind die Einträge in seinem Tagebuch. Bei meinem Vater hingegen findet man ein Foto nach dem anderen in der Corvina. Auch am Esstisch zu Hause ist die Studentenverbindung ein oft genanntes Thema, da mein Vater oft in Erinnerungen schwelgt. So weckte er mein Interesse für diese „Corvina“.

Wie ich in die Fussstapfen meines Vaters und Grossvaters trat

Vor einem guten Jahr kam eine Maturantin auf mich zu, mit der ich im Internat war, die mich zur Corvina einlud. Da ich wusste, dass mein Vater sowie mein Grossvater auch in der Verbindung gewesen waren, nahm ich die Einladung sehr gerne an. Mein erster Anlass war der Schluss-/Eröffnungskommers im September 2017. Am Anfang waren mir die ganzen Traditionen der Verbindung total fremd. Die Männer trugen Anzüge und die Frauen schlichte schwarze Kleider oder einen Hosenanzug. Es wurde viel gesungen und ein Teil des Anlasses wurde auf Latein und Althochdeutsch gehalten. Auch wenn ich null Lateinkenntnisse besitze, sind mir die kurzen Teile in der alten Sprache sehr verständlich.

Offizielle Anerkennung 1907

Gegründet wurde die Corvina im Jahr 1848, neun Jahre nach der Gründung der Stiftsschule Einsiedeln. Sie zählt somit zu einer der ältesten Verbindungen der Schweiz.

Doch die Verbindung hatte es nicht immer leicht. 12 Jahre nach der Gründung wurde die Corvina schon wieder aufgelöst. Dies war jedoch kein Hindernis für die Mitglieder sich weiterhin zu treffen und somit fand 1865 eine Geheimgründung statt. Dieses Hin und Her der Auflösung und Neugründung hatte 1907 ein Ende, als die Studentenverbindung offiziell von der Stiftsschule anerkannt wurde.

Amicitia, Scientia und Virtus

Die Corvina vertritt drei Werte: Amicitia (Freundschaft), Scientia (Wissenschaft) und Virtus (Tugend). Im Mittelpunkt steht somit das gemütliche Beisammensein und nicht der Alkohol, wie so oft verbreitet wird. Somit finden über das ganze Jahr verteilt Anlässe statt, die kulturell, sportlich oder wissenschaftlich angelegt sind, wobei auch die studentischen Traditionen gepflegt werden.

Der Raum ist erfüllt von fröhlichem Gelächter und zwischendurch hört man einen Altherr rufen: „Fux, Stoff!“ Sofort steht ein Fux auf, geht zum Kühlschrank und greift nach einer Flasche Bier. Kurz nach Beginn des Anlasses steht das Präsidium auf, ein „Silentium” wird ausgerufen und die einzelnen Verbindungen werden begrüsst, wichtige Informationen zum Verlauf des Abends werden mitgeteilt und danach herrscht wieder „Colocium“. So schaut ein typischer Corvina-Abend aus.

Ein Teil von meinem Leben

Nun bin ich seit einem guten Jahr dabei und ich bereue meine Entscheidung nicht. Vieles war für mich fremd und ungewohnt, doch nach ein paar Anlässen waren die speziellen Traditionen der Corvina für mich ganz normal. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen ich in einer so kurzen Zeit kennengelernt habe, die nun ein Teil von meinem Leben sind.
Für mich ist die Corvina viel mehr als nur eine Verbindung. Für mich ist die Corvina eine Familie, die dir hilft, zu dir steht und dich unterstützt.

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