Mit dem Superbohrer zum Satan höchstpersönlich

Im heutigen Zeitalter der Technologie scheinen das Fegefeuer, der Teufel und die ewige Verdammnis, die vor Jahrhunderten praktisch jeden in Angst und Schrecken versetzten, ein Widerspruch zur Wissenschaft zu sein. Nun haben sich russische Wissenschafter zum beinahe panischen Glauben an die Hölle bekehrt. Die Behauptung ebenjener Männer wirkt so ungeheuer, dass wir ihr kaum glauben können. Im Rahmen einer Tiefenbohrmission zwischen 1970 und 1989 auf der Halbinsel Kola förderte man angeblich ein so grausames Geheimnis zutage, dass sich Wissenschafter der eigens beschrieben «unbesiegbaren Sowjetunion» gezwungen fühlten, den Ort im Höchsttempo zu verlassen. Der kalte Krieg sah eine vermeintliche Entdeckung der Hölle selbst, als man einen Hohlraum anbohrte und die «Schreie gequälter Seelen» aufzeichnete.

Vielmehr als die Frage, ob Putin wohl den feurigen Höllenschlund unter russischem Boden versteckt hält, sollte es uns heute interessieren, weshalb einige Menschen, die sich ein Anrecht auf Bildung erkämpfen, bereitwillig den ungeheuerlichsten Schauermädchen Glauben schenken. Unter Experten ist etabliert worden, dass dieses «Anhängen» an eine Theorie in das Muster unseres Denkverhaltens passt. In einer chaotischen Welt ist es äusserst menschlich, sich das Unerklärliche begreifbar machen zu wollen, wodurch man nicht selten auf unrealistische Annahmen zurückfällt.

Ähnlich lässt sich die angebliche «Höllenbekundung» deuten: Als ein Hirngespinst derer, die lieber Lügen in die Welt setzen wollten, als den aufflammenden sowjetischen Nationalstolz riskieren zu müssen. Experten schenken der Verschwörungstheorie der Höllenstimmen auch darum keinen Glauben, da sich doch einige der teilnehmenden Forschern zu ihrer dämonischen Begegnung äussern durften. Dies wäre uncharakteristisch für das unterdrückende sowjetische Regime, das dafür bekannt war, mal ab und zu Zeugen, die ihrem Ruf schadende Informationen verbreiteten, auf mysteriöse Art und Weise plötzlich für die Medien unauffindbar zu machen. So ist der immer noch stehende, nun aber verlassene Bohrturm wohl eher ein Denkmal für das bis 2008 tiefste Loch der Erde als ein schauriges Höllenportal.

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