{"id":4498,"date":"2021-06-22T18:47:43","date_gmt":"2021-06-22T17:47:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4498"},"modified":"2021-06-22T18:59:30","modified_gmt":"2021-06-22T17:59:30","slug":"die-mohrin-von-lukas-hartmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4498","title":{"rendered":"&#8220;Die Mohrin&#8221; von Lukas Hartmann"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Roman, der in Zusammenhang mit der aktuellen Rassismus-Debatte vielleicht wieder neu entdeckt werden k\u00f6nnte, ist Lukas Hartmanns &#8220;Die Mohrin&#8221;. Eine Interpretation hinsichtlich der Figur des Vikars von<\/strong> <strong><em>Emilia Langenauer (2a)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Vikar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Vikar ist eine der wichtigsten Figuren in Lukas Hartmanns Roman \u201eDie Mohrin\u201c. Nicht nur hilft er Marguerite und Louis bei der Flucht, er begleitet sie sogar. Auch spielt er eine grosse Rolle f\u00fcr Louis, da er ihm das Lesen und Schreiben beibringt und ihn unterst\u00fctzt, als er in der Schule wegen seiner \u201epissgelben\u201c Hautfarbe geh\u00e4nselt wird. (S.139\/145) Bedeutend ist der Vikar zudem, da er Louis verr\u00e4t, wer sein Vater ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Niklaus M\u00fcller, vor allem \u201eder Vikar\u201c genannt, wird als \u201elang und d\u00fcrr, wie eine Bohnenstange\u201c mit \u201epockennarbigem Gesicht und d\u00fcnnem, r\u00f6tlichen Haar\u201c beschrieben. (S. 52) Zu seinem Aussehen sagt er selbst, dass er in der Schule wegen seinen Pockennarben verlacht worden sei, aber noch mehr wegen seinen Haaren, obwohl diese doch eher blond als rot seien. (S. 146)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vikar verr\u00e4t im Zuge seines Gespr\u00e4chs mit Louis \u00fcber H\u00e4nseleien in der Schule, dass Franz Xaver von Wyssenbach Louis Vater ist, was eine Art von Wendepunkt in der Geschichte ist, da Louis ab diesem Zeitpunkt viel mehr \u00fcber seine Identit\u00e4t und fehlende Vaterfigur nachdenkt und fl\u00fcchten will. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser Offenbarung geht auch die Planung zur Flucht viel schneller voran, die ohne den Vikar vermutlich nie stattgefunden h\u00e4tte, da Marguerite durch ihre Arbeit im Bedli zwar etwas Geld verdienen konnte, der Vikar aber g\u00fcltige Papiere und Passierscheine verschaffte. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist unklar, warum der Vikar Louis und seiner Mutter hilft, jedoch gibt es zwei plausible Gr\u00fcnde: Entweder aus seiner (unerwiderten) Liebe zu Marguerite oder aufgrund seiner Meinung zum Sklavenhandel, mit der er seiner Zeit weit voraus ist. Er beteuert immer wieder, dass die dunkle Hautfarbe weder eine Strafe Gottes noch ein Zeichen der Minderwertigkeit oder Unterentwicklung ist und verteidigt Louis und Marguerite Phillip gegen\u00fcber. <\/p>\n\n\n\n<p>Als der Vikar nach wochenlanger Planung und etlichen heimlichen Besuchen auf der Residenz der Wyssenbachs schliesslich das vereinbarte Zeichen zur Flucht nach London gibt, brechen die drei \u00e4ngstlich, aber auch voller Hoffnung und ged\u00e4mpfter Vorfreude auf. W\u00e4hrend der Reise versucht der Vikar immer wieder sich Marguerite anzun\u00e4hern, was in einer etwas unangenehmen Stimmung endet. Als die Kutsche, mit der sie reisen, angegriffen wird, versucht der Vikar sich, Marguerite und Louis bis zum letzten Moment zu verteidigen, zuerst mit Worten, indem er versucht alle Beschuldigungen abzustreiten, schlussendlich sogar mit einer Pistole. Jedoch wird nicht einer der Entf\u00fchrer angeschossen und verletzt zur\u00fcckgelassen, sondern der Vikar selbst. <\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist die letzte Erinnerung an den Vikar, die Louis hat, sp\u00e4ter erf\u00e4hrt der Leser jedoch, dass andere Reisende den Vikar ins Hospital zu D\u00f4le brachten, um einem Wundbrand vorzubeugen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wichtiger ist jedoch, dass Louis durch das Verschwinden des Vikars eine seiner ohnehin schon wenigen Vertrauenspersonen verloren hat. Da der Vikar auch sp\u00e4ter nicht mehr auftaucht und seine Stelle neu besetzt wird, ist Louis nach dem Tod seiner Mutter vollkommen alleine, denn auch die neue Haushaltshilfe behandelt ihn wie Abschaum. <\/p>\n\n\n\n<p>Abschliessend kann man sagen, dass ohne den Vikar und seiner Liebe zu Marguerite vieles anders gekommen w\u00e4re, und dass er, auch wenn er nie den Mut hatte, sich \u00f6ffentlich zu seinen Meinungen zu bekennen, definitiv eine der Personen ist, die am wenigsten Vorurteile gegen Louis und seine Mutter hat und immer freundlich zu ihnen ist. Der Vikar ist f\u00fcr Louis wichtig, da er ihn immer best\u00e4rkt und ihm das Lesen und Schreiben beibringt, was auch ein Grund ist, weshalb Johann Farner Louis\/Samuel am Ende bei sich aufnimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Roman, der in Zusammenhang mit der aktuellen Rassismus-Debatte vielleicht wieder neu entdeckt werden k\u00f6nnte, ist Lukas Hartmanns &#8220;Die Mohrin&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4505,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[3,5],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/1.jpeg?fit=378%2C600","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9nzRF-1ay","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":5587,"url":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=5587","url_meta":{"origin":4498,"position":0},"title":"Auf der Suche nach sich selbst","date":"November 1, 2022","format":false,"excerpt":"Edouard Louis neuer Roman \u201eAnleitung ein anderer zu werden\u201c Man w\u00fcrde ihn am liebsten tr\u00f6sten, ihm sagen, er solle sich nicht so einen Druck machen, ein \u201eanderer zu werden\u201c, sich nicht so vom Blendwerk b\u00fcrgerlicher Regeln beeindrucken lassen, das vielleicht in einem bestimmten Milieu gilt, aber keinerlei Allgemeing\u00fcltigkeit beanspruchen kann,\u2026","rel":"","context":"In &quot;Buchkritik&quot;","img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i2.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221101_150634-scaled.jpg?fit=1200%2C900&resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":6040,"url":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=6040","url_meta":{"origin":4498,"position":1},"title":"Capus` \"Susanna\" als Migrationsroman","date":"Januar 29, 2023","format":false,"excerpt":"von Roberto Panzera, 6c Der Roman \"Susanna\" von Alex Capus behandelt in erster Linie die Migrationsgeschichte von zwei Basler Auswanderinnen in die USA im 19. 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