{"id":4831,"date":"2021-11-23T18:07:26","date_gmt":"2021-11-23T17:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4831"},"modified":"2021-11-23T18:16:09","modified_gmt":"2021-11-23T17:16:09","slug":"was-ist-das-was-ihr-wollt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4831","title":{"rendered":"Was ist das, was Ihr wollt?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Arno Camenisch besuchte die Stiftsschule und sprach mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern \u00fcber Literatur und die grossen Fragen des Lebens.<\/strong> (22.11.2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee stammt urspr\u00fcnglich von Abt Urban. Er hatte Arno Camenisch bei einer gemeinsamen Fernsehsendung kennengelernt und so die Anregung in die Stiftsschule gebracht: Diesen Schweizer Autor m\u00fcsste man einmal einladen und mit den Sch\u00fclern ins Gespr\u00e4ch bringen. Die neuerliche Kontaktaufnahme gelang und so stand der heute in Biel lebende B\u00fcnder Arno Camenisch am vergangenen Montag im Theatersaal auf respektive vor der B\u00fchne, las unter anderem aus seinem neuesten Roman \u00abSchatten \u00fcber dem Dorf\u00bb und gab den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern auch so manchen Tipp mit auf den Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Camenisch selbst im Alter der Sch\u00fcler war, empfand er die Literatur als \u00abanderen Planeten\u00bb. Den jugendlichen B\u00fcndner interessierte Fussball und Skifahren. Sehr wohl nahm er aber die Sprachenvielfalt in seinem Heimatdorf Tavanasa wahr. Da wurde im eigenen Haus r\u00e4toromanisch gesprochen, bei den Nachbarn italienisch, im Elternhaus eines Freundes franz\u00f6sisch, bei den Gastarbeiterfamilien auch portugiesisch oder eine Sprache des Balkan. Diese Sprachenvielfalt habe ihn hellh\u00f6rig gemacht, erz\u00e4hlt der heute 43j\u00e4hrige Schriftsteller.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seit 13 Jahren Schriftsteller<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der Berufsberater ihn mit zwei Ordnern abgespeist hatte, kamen ihm die Begriffe \u00abSchreiner oder Maurer\u00bb in den Sinn \u2013 oder doch mit einem Kollegen das Lehrerseminar in Chur besuchen?&nbsp; Tats\u00e4chlich entschied Camenisch sich vorerst f\u00fcr den Lehrerberuf, nach insgesamt f\u00fcnf Jahren des Reisens und Unterrichtens im Ausland, davon drei Jahre an der Schweizerschule in Madrid, absolvierte er das Literaturinstitut in Biel, wo er auch heute noch seiner Tochter wegen lebt. Seit 13 Jahren ist er als Schriftsteller t\u00e4tig, soeben ist mit \u00abSchatten \u00fcber dem Dorf\u00bb sein 12. Buch herausgekommen. Schriftstellerei ist eben auch Arbeit, wie er betont.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Daheim in der Surselva<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele seines Schaffens tr\u00e4gt er weitgehend auswendig auch im Theatersaal vor. Es geht ihm vor allem ums Erz\u00e4hlen im w\u00f6rtlichen Sinn, ums Erz\u00e4hlen, was damals im Dorf gewesen ist, wer die Menschen waren, wie sie miteinander jassten oder schwiegen. Er liest Ausschnitte aus fr\u00fcheren B\u00fcchern, alle in Tavanasa spielend, aber auch neuere Spoken-Word-Texte, die auch ein wenig daran erinnern, wie er als 18-j\u00e4hriger mit Freunden begann, auf R\u00e4toromanisch Vierzeiler zu verfassen und vorzutragen und wie er als 20-j\u00e4hriger bei Literaturwettbewerben merkte, \u00abda geht eine Welt f\u00fcr mich auf\u00bb. Die Freude am Spiel mit der Sprache ist ihm geblieben; das wird deutlich, wenn er heute seine Texte erz\u00e4hlend inszeniert. Da ist einer, der diesen Beruf vor allem aus\u00fcbt, weil ihm das am Herzen liegt und der eine Welt literarisch gestaltet, die ihm auch realiter sehr nah ist, die Surselva, wo er bis heute \u00abdaheim\u00bb ist, wo er merkt, welche Kraft ihm die Umgebung bis heute gibt. Und ob er mit den Protagonisten seiner B\u00fccher etwas zu tun habe? \u00abNat\u00fcrlich bin ich das\u00bb, so Camenisch, dem seine literarischen Geschichten auch pers\u00f6nlich \u00abganz nah\u00bb sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweigen oder reden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er vor Sch\u00fclern liest, ist ihm eines wichtig: \u00abDass ihr etwas mitnehmen k\u00f6nnt.\u00bb Er r\u00e4t den Stiftssch\u00fclerinnen und Stiftssch\u00fclern, dass sie in eigenen Texten bewusst davon schreiben, was sie selber schon erlebt haben. Dann w\u00fcrden die Sch\u00fcler ja auch alle Gef\u00fchle kennen, die mit der Situation einhergehen. \u00abStellt Euch vor, ihr erz\u00e4hlt das ganze einem guten Freund.\u00bb Vielleicht liess sich der eine oder andere auch vom Spoken-Word-Text \u00abWas ich im letzten Jahr gelernt habe\u00bb, inspirieren, das eigene Leben zu reflektieren oder auch die eigene Zwei- oder Mehrsprachigkeit neu sch\u00e4tzen zu lernen. Ausgehend vom neuesten Roman \u00abSchatten \u00fcber dem Dorf\u00bb, in der er eine reale Trag\u00f6die in Tavanasa erz\u00e4hlt \u2013 \u00abein Buch, das ich schon seit 10 Jahren schreiben wollte\u00bb \u2013&nbsp;lobt er aber auch die heutige Haltung der Jugendlichen, Dinge auf den Tisch zu legen und auch anzusprechen, denn im Roman legt sich durch das grosse Schweigen vor allem ein \u00abgrosser Schatten\u00bb \u00fcber das Dorf, wie der Titel schliesslich auch lautet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist das, wof\u00fcr Euer Herz schl\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die unmittelbarste Frage, die Camenisch auch Studierenden am Massachusetts-Institut of Technology in den USA gestellt hat und nun auch den Stiftssch\u00fclern, ist aber wohl jene, die auch die Maturanden aktuell besch\u00e4ftigt: \u00abWas ist das, wof\u00fcr Euer Herz schl\u00e4gt? Was ist das, was Ihr wollt?\u00bb, so Camenisch an die junge Generation. Wo haben oder werden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihren Weg finden und sagen: \u00abDa ist mir eine Welt aufgegangen\u00bb? Diese Frage darf wohl alle \u00fcber den Vortrag hinaus noch etwas besch\u00e4ftigen, so wie es auch in einem Vers des Poetry Textes lautete: \u00abdass etwas mit dem Ende noch lange noch nicht fertig ist.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><em>Maria Egartner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arno Camenisch besuchte die Stiftsschule und sprach mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern \u00fcber Literatur und die grossen Fragen des Lebens.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4838,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[10],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/camenisch-2.jpg?fit=1653%2C1653","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9nzRF-1fV","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":4509,"url":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4509","url_meta":{"origin":4831,"position":0},"title":"Andeutungen auf ein Ungl\u00fcck","date":"September 9, 2021","format":false,"excerpt":"\u00abDer Schatten \u00fcber dem Dorf\u00bb von Arno Camenisch Von Andrin B\u00fcrgi (6c) Bereits wenn man den Titel des neuen Buches von Arno Camenisch liest, gibt es eine erste Andeutung auf ein Ungl\u00fcck. 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