Borg/McEnroe

Eine Filmkritik von Benedikt Aegerter

Über die Jahre habe ich eine ausserordentliche Abneigung gegen Sportfilme entwickelt. Kein Wunder bei den wurmstichigen Plots, die nichts Anderes sind als pure Verherrlichung des jeweiligen Teams oder Champions. Nachdem ich nun aber von verschiedenen Seiten gehört hatte, dass Borg/McEnroe wirklich versuche, ein differenziertes Porträt der Sportler zu zeichnen, entschloss ich mich über meinen Schatten zu springen und ihn im Kino anzuschauen.

Der Film dreht sich um die beiden Tennislegenden Borg und McEnroe, die sich im ebenso legendären Finale von Wimbledon 1980 gegenüberstehen. Der Film beginnt mit Borg, der, nachdem er seine Autoschlüssel verlegt hat, gezwungen ist, durch seine Wahlheimat Monaco zu laufen und dabei von Fans belagert wird. Nur ein Beispiel für den Druck, dem er durch die Öffentlichkeit und ihren Erwartungen ausgesetzt ist. Mehr und mehr wird klar, dass Borg, hervorragend gespielt von Sverrir Gudnason, sich gefangen fühlt in der mondänen Welt des Profi-Tennis und seine Frustration zunehmend an seiner Verlobten und seinem Trainer, gespielt vom Veteranen Stellan Skarsgard, auslässt.

Sein Konkurrent McEnroe (kongenial: Shia LaBoeuf) wird von ähnlichen Problemen geplagt. Doch wirkt der übliche dominante Vater klischeehaft und der Versuch, McEnroes schwierigen Charakter nur auf dies zurückzuführen, wirkt dilettantenhaft. Ein Makel, der jedoch von LaBoeufs Schauspielkunst mehr als weggemacht wird. In der Szene, in der er mit seinem Vater Schach spielt, dieser jedoch ständig auf seine Akten blickt, wird einem ohne Worte die ganze Frustration und Aggressivität McEnroes schlagartig klar.

So angelt sich der Film von einer Szene zur nächsten, bis er letztlich in dem hochspannenden Finale kulminiert. Fazit: Ich bin froh, dass ich mich dieses eine Mal in einen Sportfilm gewagt habe, aber es könnte mehr sein. Das Versprechen, ein ganz anderer Sportfilm zu sein, hält Borg/McEnroe nur teilweise.

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