{"id":1792,"date":"2018-02-13T20:07:44","date_gmt":"2018-02-13T20:07:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=1792"},"modified":"2018-02-13T20:11:26","modified_gmt":"2018-02-13T20:11:26","slug":"erfolg-kommt-nicht-von-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=1792","title":{"rendered":"&#8220;Erfolg kommt nicht von folgen&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Er hat fast die ganze Welt gesehen, war beim Alumni-Anlass vergangene Woche aber zum ersten Mal in Einsiedeln: Andr\u00e9 L\u00fcthi, der CEO von Globetrotters, dem viertgr\u00f6ssten Reiseunternehmen der Schweiz. Wie er selbst seinen beruflichen Weg fand und warum Reisen vielmehr als Urlaubmachen ist, verriet er den Stiftssch\u00fclerinnen und Stiftssch\u00fclern bei der abendlichen Podiumsveranstaltung aus der Reihe \u201eUnternehmergespr\u00e4ch\u201c. <\/strong><\/p>\n<p>Reisen ist auch bei den jugendlichen Zuh\u00f6rern sehr popul\u00e4r. Vor den Ferien werden die jeweiligen Pl\u00e4ne und nach den Ferien die jeweiligen Bilder ausgetauscht. F\u00fcr Andr<strong>\u00e9<\/strong> L\u00fcthi ist Reisen jedoch nicht die Pause vom Alltag, die Unterbrechung der Routine, sondern eine Lebenseinstellung. \u201eReisen ist eine Lebensschule.\u201c, so fasst es der dynamische Berner zusammen. Beim Reisen lerne man auf sich selbst zu h\u00f6ren, sich mit dem Alleinsein auseinanderzusetzen und einen unvoreingenommenen Blick auf andere Kulturen einzu\u00fcben. Dass sich in der Folge auch der Blick auf das eigene Land ver\u00e4ndere und man umgekehrt aber auch so manches Heimische besser zu sch\u00e4tzen wisse, sei ein weiterer positiver Effekt des Reisens.<\/p>\n<p><strong>Sportler, B\u00e4cker, Reisender<\/strong><\/p>\n<p>Doch L\u00fcthis Berufsleben fing zun\u00e4chst ganz anders an: Zun\u00e4chst galt seine Leidenschaft ganz dem Sport, sein Traum: die olympischen Spiele. Diesem Plan ordnete er auch seine beruflichen Ziele unter. Er begann eine B\u00e4ckerlehre, um \u2013 so L\u00fcthis Worte \u2013 m\u00f6glichst viel Zeit f\u00fcr den Sport zur Verf\u00fcgung zu haben. Bei einem B\u00e4ckeralltag, der um 3 Uhr beginnt und mittags um 12 aufh\u00f6rt, sei das geradezu ideal gewesen. Die Wende kam aber, als er mit 19 Jahren knapp an der Qualifizierung f\u00fcr den Profisport scheiterte und mit einem unliebsamen Beruf und einer eben zu Ende gegangen Beziehungen dastand. Eine Krisensituation, der der rebellische Jugendliche mit einer mehrmonatigen Reise entkommen wollte. Eben damals, als er sich in Bern ein One-way-Ticket nach Peking gekauft hatte und er anschliessend zwei Monat tibetische Hirten durch den Himalaya begleitete\u00b8 wurde ihm klar, dass das Reisen ganz seinem Lebensideal entsprach.<\/p>\n<p><strong>CEO der Globetrotter Holding<\/strong><\/p>\n<p>Gut 30 Jahre sp\u00e4ter ist der erfolgreiche Unternehmer Chef der Globetrotter Holding, Vorgesetzter\u00a0\u00a0 von 14 CEOS und schweizweit 430 Angestellten und nach wie vor ein begeisterter Reisender. Drei Monate j\u00e4hrlich macht er sich mit Familie oder auch allein auf den Weg, um neue Gebiete zu entdecken und seinen Horizont immer wieder zu erweitern.<\/p>\n<p><strong>Reisen als Lebensschule<\/strong><\/p>\n<p>Doch was hat es nun mit dem \u201eReisen als Lebensschule\u201c auf sich? F\u00fcr L\u00fcthi bringt Reisen, das er als m\u00f6glichst individuelles, langfristiges und entdeckendes Reisen versteht, die M\u00f6glichkeit mit sich, Werte wie Respekt und Toleranz ebenso wie Flexibilit\u00e4t und Improvisationstalent zu erlernen und dar\u00fcber hinaus, neben dem jeweiligen Land auch sich selbst kennenzulernen. Bei einem zweiw\u00f6chigen Mallorcaurlaub der massentouristischen Art sei dieses Lernen freilich nicht m\u00f6glich, vielmehr pl\u00e4diert er f\u00fcr ein \u201eweniger ist mehr\u201c, also das Bereisen einer einzelnen Region, in der man sich dann m\u00f6glichst intensiv auf Land und Leute einl\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Kein Trinkwasser im Dorf<\/strong><\/p>\n<p>Dass man auf Reisen auch mit globalen oder lokalen \u00f6kologischen Problemen konfrontiert wird, ist Andr<strong>\u00e9<\/strong> L\u00fcthi ebenso ein Anliegen. In einem thail\u00e4ndischen Dorf sei etwa wegen des immensen Ressourcenverbrauchs in einem Hotel das Wasser ausgegangen. Anzusprechen seien dar\u00fcber hinaus die immer billigeren Flugpreise, die zum \u201eunreflektierten \u00dcberwinden von Distanzen\u201c geradezu verleiten w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Nach Nordkorea<\/strong><\/p>\n<p>Und wie beeinflusst die Politik das Reisen? Sollte man als Reisender hier die jeweilige politische Situation f\u00fcr seine Reiseplanung mit ber\u00fccksichtigen? &#8211; so die Frage eines Sch\u00fclers des von Helmut Fuchs geleiteten Podiums, bezugnehmend auf den derzeit leicht eingebrochenen USA-Tourismus. F\u00fcr L\u00fcthi gilt hier: In akuten Gefahrensituationen halte man sich an die Empfehlungen der EDA, ob eine Reise in das jeweilige Land sicher sei oder eben nicht. Werde aber keine Reisewarnung ausgesprochen, bef\u00fcrworte er es, sich selbst ein Bild vom jeweiligen Land zu machen. \u201eEinmal sehen ist besser als tausendmal h\u00f6ren.\u201c \u2013 so sein Motto. In der Konsequenz daraus steht f\u00fcr L\u00fcthi Reisen nach Nordkorea nichts im Wege. Entsprechende Angebote gebe es deshalb auch im Globetrotter-Angebot. Er selbst war schon viermal vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Reisen f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Globetrotter in seinen Anfangsjahren vor allem bei jungen Aussteigern mit Rucksack popul\u00e4r war (L\u00fcthi war selbst einer davon), gibt es heute Beratungen in verschiedenen Preisklassen. Vor allem F\u00fchrungskr\u00e4ften empfehle er aber das Reisen und zwar \u201ebesser sieben Wochen als zwei Wochen.\u201c So lerne man zu delegieren, zu organisieren und zu vertrauen. Das Unternehmen soll freilich nach der R\u00fcckkehr noch bestehen, gerade aber auch seinen Mitarbeitern dieses Vertrauen entgegenzubringen, st\u00e4rke die Unternehmenskultur. Ein guter Chef ist also ein abwesender Chef?<\/p>\n<p>F\u00fcr die Mitarbeiter von Globetrotters gilt dies gleichermassen. Schon f\u00fcr eine Anstellung ist es notwendig, bereits drei Kontinente (ausser Europa) bereist zu haben und auch weiterhin bereit zu sein, j\u00e4hrlich ein Monat j\u00e4hrlich in Form unbezahlten Urlaubs anzutreten. Die Idee dahinter: Nur wer selbst schon durch S\u00fcdamerika gereist sei, k\u00f6nne in den Beratungen authentisch \u00fcber S\u00fcdamerika berichten und gemeinsam mit dem Kunden interessante Angebote generieren. Auch so manchen Mitarbeiter hat er durch das Reisen kennengelernt und hinsichtlich seiner Eignung \u00fcberpr\u00fcft: Mit einem Bewerber verbrachte er mehrere Monate unter Extremsituationen im Himalaya. Danach war im klar, dass dieser Mann sein Nachfolger werden konnte.<\/p>\n<p><strong>Die Zukunft der Reisebranche<\/strong><\/p>\n<p>Und wie schaut das Reisen der Zukunft aus? Gibt es in Zeiten von booking.com und ebookers \u00fcberhaupt noch Bedarf nach einem Reiseb\u00fcro? Im herk\u00f6mmlichen Sinne sicherlich nicht, so der 57j\u00e4hrige. Konventionelle Flug- und Hotelbuchungen k\u00f6nnen heute schon bequem \u00fcber das Internet get\u00e4tigt werden, Kataloge mit fertigen Pauschalangeboten seien ebenso nicht mehr das Gebot der Stunde. Was nach wie vor und wohl auch in Zukunft gefragt sei, seien aber individuelle Beratungen von gut qualifizierten Mitarbeitern. \u201eWeg vom Produkt, hin zur Beratung\u201c &#8211; das ist also state of the art in der Tourismusbranche. Ob das Ergebnis dann ein Reiturlaub in Afrika oder ein Roadtrip durch Sibirien ist, sei dann sekund\u00e4r. Die individuelle Betreuung des idealerweise gl\u00fccklichen Kunden ist schliesslich das formelle Ziel des Unternehmens, denn \u201edie beste Werbung ist immer der Kunde.\u201c<\/p>\n<p><strong>Leben, was man sp\u00fcrt<\/strong><\/p>\n<p>Den\u00a0 mitdiskutierenden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern am Podium, Leon Curti, Kevin Br\u00fcngger, Niklas Meinhold und Svenja Hammer, riet der engagierte Manager dann auch hinsichtlich ihrer eigenen Berufswahl stets authentisch zu bleiben und das zu \u201eleben, was man sp\u00fcrt.\u201c Erfolg komme gerade nicht von \u201efolgen\u201c, vielmehr solle jede\/r selbst herausfinden, wof\u00fcr er oder sie brennt und sich dann ganz daf\u00fcr einsetzen. \u201eGelebte Leidenschaft\u201c, Authentizit\u00e4t und Mut sind demnach auch L\u00fcthis Erkl\u00e4rung f\u00fcr seinen beruflichen Erfolg, ebenso wie so mancher gl\u00fcckliche Zufall, der ihn aber ebenfalls auf Reisen in konkreten Personen begegnet sei.<\/p>\n<p>Und ob Reisen f\u00fcr Maturanten mit kleinerem Budget auch schon m\u00f6glich sei, fragt eine Sch\u00fclerin aus dem Publikum.\u201c Ja, zuerst ein halbes Jahr arbeiten, ein Land ausw\u00e4hlen und dann ein One-way-ticket kaufen.\u201c, so L\u00fcthi. F\u00fcr so manchen bisherigen All-inclusive-Urlauber sicherlich eine Herausforderung.<\/p>\n<p><strong>Maria Egartner<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Andr\u00e9 L\u00fcthi (57) ist seit 1992 Chef von Globetrotter Schweiz, dem derzeit viertgr\u00f6ssten Reiseunternehmen der Schweiz.\u00a0 Seit 2013 ist er Verwaltungsratspr\u00e4sident des Globetrotter Travel Service und CEO der Holding Globetrotter Group. Unter dem Motto \u201eReisen statt Ferien\u201c bietet das Globetrotter Travel Service vor allem qualifizierte Beratungen an. L\u00fcthi selbst heute noch mehrere Monate pro Jahr unterwegs.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www,globetrotter.ch\">http:\/\/www,globetrotter.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er hat fast die ganze Welt gesehen, war beim Alumni-Anlass vergangene Woche aber zum ersten Mal in Einsiedeln: Andr\u00e9 L\u00fcthi,<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":1793,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[10],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i1.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Unternehmergespr\u00e4ch-Foto.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9nzRF-sU","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":4537,"url":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4537","url_meta":{"origin":1792,"position":0},"title":"\u00abAm sch\u00f6nsten war, dass wir alle gemeinsam unterwegs waren\u00bb","date":"Oktober 19, 2021","format":false,"excerpt":"Besinnungstage im Melchtal Die Erstkl\u00e4ssler*innen der Stiftsschule Einsiedeln fuhren ins Melchtal (OW) f\u00fcr drei turbulente Tage voller Spass und Zusammensein von Viviana Lindemann und Sophia Br\u00fcllmann (1a und 1c) Mittwoch, 29.9.2021 Fr\u00fchmorgens, um 8:20, versammelten wir uns am Biberbrugger Bahnhof. 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