{"id":2540,"date":"2018-09-26T14:55:18","date_gmt":"2018-09-26T14:55:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=2540"},"modified":"2018-09-27T07:27:39","modified_gmt":"2018-09-27T07:27:39","slug":"michel-houellebecq","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=2540","title":{"rendered":"Michel Houellebecq- Ein Autor im Portrait"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p aria-level=\"1\">Es gibt vermutlich keinen anderen Gegenwartsautoren auf dieser Welt, dessen Werk kompakter, oder um Italo Calvino zu zitieren, \u201cstringenter\u201d ist, als das von Michel Houellebecq. Seine immer n\u00fcchterne, klare Prosa, die die rationale Selbstreflexion seiner Figuren wiederspiegelt, sein, gelinde gesagt, pessimistisches Weltbild und seine konsequente Ablehnung jeglicher Ideologie sind Charakteristika seines Schreibens, die ihn zu dem wahrscheinlich bekanntesten lebenden Autoren Frankreichs gemacht haben. Was allerdings sein Schaffen am deutlichsten auszeichnet, ist sein Menschenbild: Bei ihm scheint der Mensch nicht viel besser zu sein als ein Tier, ein animalisches Wesen, der Geist nur Maskerade und eine schlechte noch dazu. Rationalismus ist der einzige Weg, um ihm gerecht zu werden. Die Gene und die Erziehung sind die einzigen Faktoren, die z\u00e4hlen. F\u00fcr Houellebecq hat die Menschheit im Kapitalismus das System gefunden, das am besten zu ihm passt. Und das ist kein Kompliment.\u00a0<span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Was nicht heisst, dass seine Figuren nicht an den Kapitalismus glauben: Fast scheint er sie zu beneiden, zumindest so lange, bis sie scheitern. Wie der Hauptprotagonist in \u201cPlattform\u201d, der versucht eine Reihe von Sexclubs aufzubauen, dessen Tr\u00e4ume sich aber letztlich durch einen islamistischen Anschlag in Luft aufl\u00f6sen. Auch in die \u201cUnterwerfung\u201d spielt der Islam eine grosse Rolle: Eine gem\u00e4ssigt-populistische Islam-Partei ergreift die Macht in Frankreich. Beide Romane sind grimmige Abrechnungen mit der westlichen Gesellschaft, aber auch, und das haben viele Rezensenten \u00fcbersehen, ein Kommentar zur Philosophie Comtes und Schoppenhauers: Michel aus die \u201cPlattform\u201d liest in seiner gl\u00fccklisten Phase Comte, erkennt aber schliesslich wie Schoppenhauer, das das menschliche Leid im Willen zum Leben wurzelt, kann aber nicht wie er sein Gl\u00fcck durch Askese erreichen. Auf jeden Fall ist es kein Zufall, dass einer der Essays Michel Houellebecq sich eingehend mit ihm besch\u00e4ftigt.<span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seine Romane kann man in zwei Gruppen einteilen: Die eine fokussiert sich mehr auf die Gesellschaft im Allgemeinen, die andere auf Individuen. Zu der ersteren geh\u00f6ren die oben schon erw\u00e4hnten \u201cPlattform\u201d und \u201cUnterwerfung\u201d, ferner sein Klon-Roman \u201cDie M\u00f6glichkeit einer Insel\u201d, zu der zweiteren sein Debut \u201cAusweitung der Kampfzone\u201d, \u201cElementarteilchen\u201d und sein meiner Ansicht nach bester Roman \u201cKarte und Gebiet\u201d. Kunstvoll setzt er sich hier mit Realit\u00e4t und Fiktion, dem Gegensatz k\u00fcnstlerischer und rationalistischer Weltanschauung und nicht zuletzt mit seinem eigenen Bild in der \u00d6ffentlichkeit auseinander. Er bricht sogar mit seinem Determinismus: Der Protagonist Jed Martin scheint eher vom Zufall als vom Schicksal geleitet, aber vielleicht ist das auch wieder nur ein weiterer polarer Gegensatz.<span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt vermutlich keinen anderen Gegenwartsautoren auf dieser Welt, dessen Werk kompakter, oder um Italo Calvino zu zitieren, \u201cstringenter\u201d ist,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2543,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[5],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i2.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/del-Houellebecq-que-no-mes_1354074599_2194795_651x366.jpg?fit=651%2C366&ssl=1","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9nzRF-EY","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":6186,"url":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=6186","url_meta":{"origin":2540,"position":0},"title":"Ein Tier, welches nie mehr die wilde Freiheit erleben kann","date":"April 6, 2023","format":false,"excerpt":"Finn Kopfstein, 1c, \u00fcber Rilkes Gedicht \"Der Panther\" Das Gedicht \"Der Panther\" von Rainer Maria Rilke besteht aus 3 Strophen und 12 Versen. 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