{"id":4449,"date":"2021-04-27T10:45:41","date_gmt":"2021-04-27T09:45:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4449"},"modified":"2021-04-28T14:06:51","modified_gmt":"2021-04-28T13:06:51","slug":"die-integration-der-maedchen-vollzog-sich-sehr-organisch-und-selbstverstaendlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4449","title":{"rendered":"&#8220;Die Integration der M\u00e4dchen vollzog sich sehr organisch und selbstverst\u00e4ndlich&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>50 Jahre M\u00e4dchen an der Stiftsschule<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>H\u00e4tte P. Thomas F\u00e4ssler nicht darauf aufmerksam gemacht, w\u00e4re in diesem Schuljahr ein Jubil\u00e4um fast vergessen worden: Seit genau 50 Jahren wird an der Stiftsschule koedukativ unterrichtet. Im Schuljahr 1970\/71 kamen die ersten sieben M\u00e4dchen in die ersten Klassen und eine erstaunlich unscheinbare, aber doch f\u00fcr inzwischen hunderte Jugendliche pr\u00e4gende Zeit des gemeinsamen Unterrichts nahm ihren Anfang.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Holt man Erkundigungen bei gegenw\u00e4rtigen Lehrpersonen oder Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein, seit wann es denn wohl M\u00e4dchen an der Stiftsschule gebe, sieht man zun\u00e4chst erstaunte Blicke. \u00abWar das denn nicht schon immer so?\u00bb oder \u00abDas habe ich mir noch gar nie \u00fcberlegt\u00bb. So selbstverst\u00e4ndlich ist f\u00fcr die heutige Generation das gemeinsame Leben und Lernen von Jugendlichen. Die 5c-Klasse versichert mir aber auch gleich mit Nachdruck, wie wichtig die M\u00e4dchen seien: \u00abEs macht mehr Spass\u00bb, \u00abWir helfen einander beim Whatsappen mit dem anderen Geschlecht\u00bb. \u00abWir haben wirklich echt gute M\u00e4dchen hier\u00bb, so die selbstbewussten Sch\u00fclervoten der 5.Kl\u00e4ssler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von der Stiftssch\u00fclerin zur Mathematiklehrerin an der Stiftsschule<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Lehrpersonen erinnert sich die Mathematiklehrerin, Bernadette Boggia-Portmann, an die Anfangsjahre zur\u00fcck. Sie war selbst Stiftssch\u00fclerin im 10. Jahrgang des koedukativen Unterrichts. Ob das eine bewusste Entscheidung gewesen sei? \u00abNicht wirklich\u00bb. Pf\u00e4ffikon w\u00e4re f\u00fcr die aus Wilen stammende Gymnasiastin die Alternative gewesen, aber sie probierte es lieber in Einsiedeln. Eine Klasse bestand in ihrer Zeit aus elf internen Knaben, elf externen Knaben und elf externen M\u00e4dchen. Bis auf den Sportunterricht wurde die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gemeinsam unterrichtet. Ein gemeinsames Essen mit den Klassenkameraden war aber noch nicht m\u00f6glich. Die M\u00e4dchen assen in der sogenannten \u00abBar\u00bb, einem eigentlich f\u00fcrs Internat vorgesehenen Raum, der in der Mittagspause f\u00fcr die M\u00e4dchen ge\u00f6ffnet wurde. Bruder Suso brachte das Essen pers\u00f6nlich mit einem W\u00e4gelchen vorbei. Ob Jungen oder M\u00e4dchen, f\u00fcr Bernadette Boggia, ist das bis heute nicht die zentrale Frage, \u00abich war noch nie der Typ daf\u00fcr\u00bb. Eindr\u00fccklich sei f\u00fcr sie an der Stiftsschule gewesen, dass so viele Patres unterrichtet haben, die so umfassend gebildet waren: \u00abDie haben Sachen gewusst!\u00bb, zeigt sich die Mathematiklehrerin, die heute auch die Lehrerkonferenz leitet, &nbsp;begeistert. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die ersten Lehrerinnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit den M\u00e4dchen kamen auch die Lehrerinnen. Der Jahresbericht 1970\/71 nennt \u00abFrl. Marianne Grendelmeier\u00bb als erste Lehrerin an der Stiftsschule. Sie \u00fcbernahm den Violinunterricht, 1972\/73 folgte mit Frau Ellen Dunn die erste Lehrerin f\u00fcr Englisch, 1975\/76 Margit Wehrli als Deutsch- und Englischlehrerin. Von der weggezogenen Frau Eicher \u00fcbernahm diese auch die Mitarbeit im Externat. In dieser Funktion bezog sie ein eigenes B\u00fcro in den R\u00e4umlichkeiten, in denen heute die Schulseelsorge eingerichtet ist. F\u00fcr P. Markus, der von 1978-2016 als Lehrer und von 2002-2013als Schulleiter der Stiftsschule vorstand, war die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen durchwegs positiv. In seinem Fach, der Mathematik, weiss er auf Nachfrage auch besonders die fachlichen Qualit\u00e4ten der Kolleginnen zu loben: \u00abWir haben immer sehr gute Mathematikerinnen gehabt.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die \u00e4lteren M\u00f6nche wissen bescheid<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unter den M\u00f6nchen werde ich schliesslich f\u00fcndig: Sie haben selbst die allerersten Jahrg\u00e4nge der gemischten Klassen unterrichtet und erinnern sich noch gut an die Gr\u00fcnde und die Umst\u00e4nde dieses Entscheids. P. Alois war etwa in den Jahren 1973 bis 1978 und von 1985 bis 2009 als Lehrer an der Stiftsschule t\u00e4tig. Als er 1973 begann, waren bereits in den 1.-3. Klasse einige wenige M\u00e4dchen. Er verbindet durchwegs positive Erinnerungen mit dieser Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>36 Jahre Unterrichtserfahrung hat auch P. Lorenz. Ab 1973 unterrichtete er anfangs Religion, dann vor allem Mathematik im Untergymnasium und Philosophie. Auch er schl\u00e4gt in dieselbe Kerbe: \u00abGrosse Probleme gab es eigentlich nicht.\u00bb Die Herausforderungen seien vor allem organisatorischer Art gewesen: Es musste ein M\u00e4dchen-WC eingerichtet werden und ein eigener Turnunterricht organisiert werden, aus praktischen Gr\u00fcnden ausserhalb des \u00abnormalen\u00bb Schulbetriebs, also am Abend nach der letzten offiziellen Schulstunde oder \u00fcber Mittag. Ab 1976\/77 erkannte man auch die Notwendigkeit einer ersten weiblichen Bezugsperson in der Person einer p\u00e4dagogischen Mitarbeiterin im Externat, parallel zum Externenpr\u00e4fekten, dem weiterhin die Gesamtleitung des Externates oblag. Ob die Anf\u00e4nge schwierig gewesen w\u00e4ren? \u00abDie Integration der M\u00e4dchen vollzog sich sehr organisch und selbstverst\u00e4ndlich.\u00bb, so P. Lorenz. Und auch aus heutiger Sicht best\u00e4tigt er: \u00abDie Neuordnung hat sich durchaus bew\u00e4hrt. Die reine Knabenschule ist \u00abnormaler und entspannter\u00bb geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>P. Markus erinnert sich daran, dass die \u00c4nderungen vor allem \u00abatmosph\u00e4risch\u00bb gewesen seien. \u00abEine M\u00e4nnergesellschaft ist immer ein bisschen rauher.\u00bb Die \u00d6ffnung \u00abhat uns also gut getan.\u00bb Einzig bei Liebschaften sei man fr\u00fcher viel strenger gewesen: \u00abLiebschaften waren verp\u00f6hnt.\u00bb, verhindern konnte man sie aber auch nicht, so P. Markus verst\u00e4ndnisvoll.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped\"><ul data-carousel-extra='{\"blog_id\":1,\"permalink\":\"https:\\\/\\\/www.stiftsforum.ch\\\/blog\\\/?p=4449\"}' class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/KAE_F3_0_0457_0002.jpg\"><img data-attachment-id=\"4460\" data-permalink=\"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?attachment_id=4460\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/KAE_F3_0_0457_0002.jpg?fit=720%2C751&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"720,751\" data-comments-opened=\"1\" 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Von M\u00e4nnerdramen zu &#8220;St\u00fccken mit reichem weiblichen Personal&#8221;.  Quelle: http:\/\/www.klosterarchiv.ch\/e-archiv_bildarchiv.php<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Neubesetzungen im Theater<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend P. Albert Kuhn noch in einem Artikel aus dem Jahr 1932 seiner Sorge Ausdruck verlieh, dass hoffentlich nie der Bann gebrochen sei, die \u00abungez\u00fcgelte Aufnahme der Frauenrollen auf unserem Theater\u00bb zuzulassen, so standen doch 1973 erstmals Stiftssch\u00fclerinnen in Kopals \u00abDer geschundene Raubritter\u00bb auf der B\u00fchne mit. Im Jahresbericht hiess es dazu: \u00abZum ersten Mal wirkten M\u00e4dchen in Sprech- und zum Teil in Gesangsrollen mit und trugen redlich zum erfreulichen Gesamterfolg bei.\u00bb&nbsp; F\u00fcr die langj\u00e4hrige Theatertradition der Stiftsschule, die wohl in den 60er Jahren auch einen gewissen Mitgliederschwund zu verzeichnen hatte, waren die M\u00e4dchen also auch eine Chance. 1976\/77 bestand die Theatergruppe bereits zur H\u00e4lfte aus M\u00e4dchen, so in einem Bericht von P. Anton nachzulesen.&nbsp; P. Adelbert sah aber auch eine neue Herausforderung auf ihn zukommen: \u00abDer starke Anteil der M\u00e4dchen gestaltet die St\u00fcckwahl immer schwieriger. W\u00e4hrend wir fr\u00fcher M\u00e4nnerdramen suchten und Frauenrollen erst gegen erheblichen, z\u00e4hen Widerstand durchsetzen konnten, halten wir jetzt Ausschau nach St\u00fccken mit reichem weiblichen Personal.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachwuchs f\u00fcr den Stiftschor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So manche Hoffnung verband sich auch mit Nachwuchs f\u00fcr den Stiftschors. P. Lukas habe etwa die Hoffnung gehabt, dass der Nachwuchsmangel an ungebrochenen Knabenstimmten aus den untersten Klassen durch Frauenstimmen der Stiftssch\u00fclerinnen aufgefangen werden konnten. Diese wollten auch singen, aber nicht im Stiftschor, f\u00fcr den man sonntags fr\u00fch aufstehen musste. So entstand aber immerhin der \u00abPlausch-Chor\u00bb, heute Cum-Anima-Chor, einem f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern offener Schulchor mit mehreren Auftritten pro Jahr, der auch heute noch besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Chor hat sich bedingt durch den Eintritt der M\u00e4dchen an der Stiftschule ver\u00e4ndert und steht nun unter der musikalischen Leitung von Marie M\u00fcller. Der \u00dcberzahl an singfreudigen jungen Damen folgend, verzeichnet der Chor aktuell eine deutliche Mehrzahl an M\u00e4dchen- und Frauenstimmen und wird im Herbst Ausz\u00fcge nach Engelbert Humperdincks \u00abH\u00e4nsel und Gretel\u00bb auff\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Feldmusik engagierten sich die Stiftssch\u00fclerinnen auch seit jeher. Eine Abbildung zeigt etwa die gemischte Feldmusik unter der Leitung von P. Roman Bannwart 1977 bei einer Papstaudienz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/i2.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/KAE_F3_32_0036_0011.jpg\"><img data-attachment-id=\"4456\" data-permalink=\"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?attachment_id=4456\" data-orig-file=\"https:\/\/i2.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/KAE_F3_32_0036_0011.jpg?fit=720%2C568&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"720,568\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Studentenmusik, P. 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Roman Bannwart bei einer Papstaudienz in Rom 1977.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>\u00abDie Professoren und die Mitsch\u00fcler sind sehr liebensw\u00fcrdig.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So bescheiden die Ausf\u00fchrungen der M\u00f6nche und Lehrpersonen heute klingen, so euphorisch erlebten es doch die sieben ersten M\u00e4dchen selbst. \u00abDieses grosse Ereignis wird sicher im Tagesbuch des Klosters aufgeschrieben\u00bb, liest man in einem Artikel von K\u00e4thy K\u00e4lin und Margrit B\u00f6lsterli im Meinradsraben, der Vorg\u00e4ngerzeitschrift des SALVE. Sie beschreiben darin ihren ersten Schultag an der Stiftsschule, an dem sie zun\u00e4chst den Gottesdienst besuchten und dann angesichts der grossen Zahl an Knaben \u00abetwas sch\u00fcchtern in den B\u00e4nken\u00bb sassen. Die sch\u00f6nste Zeit erlebten sie in den Pausen, in denen sie mit den Mitsch\u00fclern am \u00abFussballkasten\u00bb im Reksaal spielten. Und auch mit den Lehrpersonen zeigten sich jungen Gymnasiastinnen sehr zufrieden: \u00abAlles ist so vielgestaltig und neu, dass die Schulstunden nur so dahinfliegen.\u00bb, vor allem aber seien die \u00abProfessoren und die Mitsch\u00fcler sehr liebensw\u00fcrdig.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kam es zu diesem Entscheid?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie kam es nun zu diesem doch richtungsweisenden Entscheid f\u00fcr den koedukativen Unterricht? Immerhin war 1971 auch schweizweit ein geschichtstr\u00e4chtiges Jahr: Das Frauenstimmrecht wurde nach grossen gesellschaftlichen Kontroversen eingef\u00fchrt \u2013 das Landesmuseum widmet diesem Jubil\u00e4um derzeit eine eigene Sonderausstellung. Auch das 2. Vatikanische Konzil lag erst f\u00fcnf Jahre zur\u00fcck. Wehte im Einsiedeln von 1971 also ein besonderer emanzipatorischer Geist, gl\u00fchte ein nachvatikanisches Feuer?&nbsp; Diese Frage ist eher zu verneinen. Vielmehr war es ein Zusammenspiel mehrere Faktoren, wobei die politischen letztlich den Ausschlag gaben: Als der Kanton das Mittelschulwesen in die Hand nahm \u2013 vorher waren alle Gymnasien privat \u2013 und eine entsprechende Gesetzgebung die Folge war, gab es gar keine Alternative. Zwischen der neuen Mittelschule in Pf\u00e4ffikon und den beiden privaten Schulen Einsiedeln und Nuolen wurde eine Arbeitsteilung festgelegt. Einsiedeln und Nuolen boten die Maturatypen A und B an, Pf\u00e4ffikon Typus C. Damit das funktionierte, mussten wir die Schule f\u00fcr M\u00e4dchen \u00f6ffnen und das Griechischobligatorium abschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>P. Markus weist aber erg\u00e4nzend auf die offene Haltung des Klosters in dieser Zeit hin: \u00abDas Vatikanum hat eine gute Aufnahme im Koster gefunden und einen neuen Schwung gebracht. Unser Kloster war immer ein offener Ort.\u00bb Auch der Jahresbericht 1968\/69 belegt diese Aufgeschlossenheit: \u00abIm Bestreben, zeitaufgeschlossen zu wirken, tragen sich alle Schweizer Kl\u00f6ster mit dem Gedanken, ihre Schulen auch M\u00e4dchen zu \u00f6ffnen\u00bb. In der Lehrerkonferenz am 29. April 1969 wurde von der Lehrerkonferenz \u2013 diese war damals das zentrale Entscheidungsgremium -einstimmig (ausgenommen zwei Enthaltungen) der Entschluss angenommen \u00abM\u00e4dchen aus dem \u00e4usseren Kantonsteil als externe Sch\u00fclerinnen aufzunehmen.\u00bb&nbsp; Im Jahresbericht 1970 wurde als Begr\u00fcndung auch auf die Konzilsdokumente \u00fcber christliche Erziehung hingewiesen, ebenso wie auf die Erkl\u00e4rung der Menschenrechte durch die UNO und den faktischen Mangel des Zugangs zu h\u00f6heren Lehranstalten f\u00fcr M\u00e4dchen im \u00e4usseren Kantonsteil.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommen die Knaben zu kurz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hat sich der gemeinsame Unterricht also bew\u00e4hrt? Ist der gemeinsame Unterricht auch heute das bestm\u00f6gliche p\u00e4dagogische Modell oder kommen heute gar die Knaben zu kurz? \u00abMan kann es sich gar nicht mehr anders vorstellen\u00bb res\u00fcmiert P. Markus. Auch wenn manche Bereiche, wie das Singen oder manche Berufsfelder wie die Pflegeberufe, heute aus seiner Sicht zu sehr in Frauenhand seien und M\u00e4nner ein entsprechendes Selbstbewusstsein brauchen, um sich diesen T\u00e4tigkeiten zu widmen, gebe es heute gar keine Alternative zum gemeinsamen Unterricht. Die Schule soll die gesellschaftliche Realit\u00e4t wiederspiegeln, argumentiert ein Sch\u00fcler aus der 6.Klasse und die sei nun einmal gemischt: \u00abWenn Kinder und Jugendliche w\u00e4hrend ihrer Schulzeit mit dem jeweiligen anderen Geschlecht zusammen in die schule gehen, dann lerne sie das andere Geschlecht als ebenb\u00fcrtig anzusehen\u00bb. Auch P. Alois findet, dass sich der gemeinsame Unterricht bew\u00e4hrt: \u00abDer gemeinsame Unterricht ist meiner Meinung nach das einzig Richtige. Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Geschlechtertrennung, die heute gelegentlich angef\u00fchrt werden, finde ich vom biologischen, soziologischen und p\u00e4dagogischen Standpunkt her nicht zu verantworten.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Heute besuchen 351 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die Stiftsschule, davon 197 M\u00e4dchen. In der Lehrerschaft liegt das Verh\u00e4ltnis bei 23 Frauen zu 29 M\u00e4nnern. Selbst in den einzelnen Fachschaften wird auf Geschlechterdurchmischung geachtet. So sollen etwa in den Sprachf\u00e4chern nach M\u00f6glichkeit m\u00e4nnliche und weibliche Lehrkr\u00e4fte ihr Fach vertreten. Aufschrei im Kollegium gab es etwa, als vor f\u00fcnf Jahren eine Stelle explizit f\u00fcr einen Englischlehrer m\u00e4nnlichen Geschlechts ausgeschrieben wurde. Der Kollege ist letztlich freilich mit offenen Armen empfangen worden. P. Lorenz Hinweis, dass \u00abdie Erfahrungen zeigen, dass Knaben wahrscheinlich besser bef\u00f6rdert werden k\u00f6nnten, wenn sie unter sich sind\u00bb f\u00fchrt dann auch nicht zu einem Appell zur Knabenschule zur\u00fcckzukehren, sondern im gegebenen Rahmen p\u00e4dagogisch entsprechend zu reagieren: \u00abDa gibt es wohl noch andere Mittel, um Abhilfe zu schaffen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>50 Jahre gemeinsames Lernen von M\u00e4dchen und Knaben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was sollte man im 50-Jahr-Jubil\u00e4um also feiern? Wohl dass sich die Stiftsschule durch tragf\u00e4hige Entscheide im richtigen Moment stetig weiterentwickelt hat und bis heute eine attraktive und nachgefragte Schule ist, eine Schule,&nbsp; in der Knaben und M\u00e4dchen nicht nur miteinander, sondern auch voneinander lernen und das f\u00fcr tausende Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in den letzten 50 Jahren schon Realit\u00e4t geworden ist. Das Jubil\u00e4um m\u00fcsste also nicht unbedingt \u00ab50 Jahre M\u00e4dchen an der Stiftsschule\u00bb, sondern \u00ab50 Jahre gemeinsames Lernen von M\u00e4dchen und Knaben\u00bb heissen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>50 Jahre M\u00e4dchen an der Stiftsschule H\u00e4tte P. Thomas F\u00e4ssler nicht darauf aufmerksam gemacht, w\u00e4re in diesem Schuljahr ein Jubil\u00e4um<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":4469,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false},"categories":[3],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.stiftsforum.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IMG-20210428-WA0000-1.jpg?fit=1824%2C1368&ssl=1","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9nzRF-19L","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":4423,"url":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=4423","url_meta":{"origin":4449,"position":0},"title":"\"In der Stiftsschule sind alle meine Interessen abgedeckt\"","date":"April 20, 2021","format":false,"excerpt":"Interview mit Erin Schuler, Stiftssch\u00fclerin der 1.Klasse im 50-Jahr-Jubil\u00e4um des gemischten Unterrichts an der Stiftsschule. 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