{"id":6623,"date":"2023-12-21T21:31:48","date_gmt":"2023-12-21T20:31:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=6623"},"modified":"2023-12-22T17:41:39","modified_gmt":"2023-12-22T16:41:39","slug":"schulentwicklungstag-nachhaltigkeit-kleider-mit-zrcl-gruender-kilian-wiget","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftsforum.ch\/blog\/?p=6623","title":{"rendered":"Schulentwicklungstag \u2013 Nachhaltigkeit: Kleider. Mit ZRCL-Gr\u00fcnder Kilian Wiget"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Von Silvan Wirthensohn<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kilian Wiget stellt sich und seine Kleidermarke ZRCL vor. F\u00fcr ihn ist die Transparenz der Produktions- und Lieferketten ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Kleider. Sichergestellt wird das mit Codes, welche auf jedem Kleidungsst\u00fcck aufgedruckt sind. Damit l\u00e4sst sich auf der firmeneigenen Homepage der gesamte Weg jedes Kleidungsst\u00fcckes nachverfolgen. Die Partnerfirmen, welche an der Produktion beteiligt sind, werden genannt und beschrieben. Die Nachverfolgbarkeit der Lieferketten sei eines der gr\u00f6ssten Probleme in die Industrie. Konsumenten k\u00f6nnen in den allermeisten F\u00e4llen nicht im Detail nachvollziehen, woher Rohstoffe oder Bauteile kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Nachhaltigkeit werde gerne geredet, aber meist wenig gemacht. Bei der Modeindustrie sind weniger als 1% der St\u00fccke nachhaltig produziert. Es gibt unz\u00e4hlige Labels, damit kann man eigentlich jedes Produkt labeln lassen (gegen eine Geb\u00fchr selbstverst\u00e4ndlich). Die Anforderungen der Labels sind aber oft schwammig und l\u00f6cherig. So d\u00fcrfen viele als \u00abBio Cotton\u00bb gelabelte Produkte v\u00f6llig legal und zertifiziert bis zu 30% nicht Bio-Baumwolle enthalten. Zudem verliert man schnell die \u00dcbersicht bei der grossen Vielfalt. Man kann sich also nicht blind auf diese verlassen, sondern muss selber aktiv nachfragen und nachforschen.<\/p>\n\n\n\n<p>ZRCL arbeitet mit dem Schweizer Label bioRe, welches seit 35 Jahren f\u00fcr den weltweit h\u00f6chsten Standard f\u00fcr Bio-Baumwolle steht und die Rohstoffe aus Indien und Tansania bezieht. Neben Baumwolle wird auch etwas Schweizer Schafwolle f\u00fcr M\u00fctzen verarbeitet. Leider gibt es in der Schweiz keine relevanten Alternativen f\u00fcr Baumwolle, welche noch angebaut und verarbeitet werden. Leinen w\u00e4re grunds\u00e4tzlich eine M\u00f6glichkeit, jedoch gibt es die verarbeitende Industrie nicht mehr in der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6sste Herausforderung bez\u00fcglich der Nachhaltigkeit ist der Transport. Dieser wird zwar kompensiert, ist jedoch im Prinzip nicht nachhaltig. Die Verschiffung ist dabei wesentlich umweltfreundlicher als der Transport per Flugzeug (ca. 40mal). Wirtschaftliche Alternativen gibt es nicht. Die Wege h\u00e4ngen auch davon ab, wo man Firmen finden kann, welche verh\u00e4ltnism\u00e4ssig kleine St\u00fcckzahlen verarbeiten. Es d\u00fcrfe auch nicht vergessen werden, dass die Nachhaltigkeit auch eine wirtschaftliche Komponente besitzt. Es muss m\u00f6glich sein, lokale Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten und auch ein L\u00e4deli im Dorf zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Um noch nachhaltiger zu werden, laufe gerade ein neues Projekt mit der Hochschule Luzern an. Dabei wird untersucht, wie Kleidungsst\u00fccke mechanisch in Garn aufgetrennt werden k\u00f6nnen, um daraus neue<\/p>\n\n\n\n<p>Kleidungsst\u00fccke zu produzieren. Man sollte sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen, sondern st\u00e4ndig nach Verbesserungen suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grosshandel produziert die g\u00fcnstigsten T-Shirts f\u00fcr 2-3 Franken. Die Differenz zum Preis im Laden ist die Marge. Nimmt man also keine R\u00fccksicht beim Anbau, Produktion und Transport, lassen sich extrem g\u00fcnstige Kleider produzieren. Weil aber dabei nicht umweltschonend gearbeitet wird, gilt die Textilindustrie als eine der dreckigsten Industrien der Welt. In der Schweiz laden pro Tag ca. 120 Tonnen Altkleider in den Altkleidercontainern. Diese Mengen k\u00f6nnen gar nicht verarbeitet werden und so wird ein Grossteil davon z.B. nach Ghana exportiert, wo es gr\u00f6sstenteils deponiert wird. Zudem werden ca. 1\/3 aller Kleider, welche in den L\u00e4den h\u00e4ngen nie verkauft, sondern direkt entsorgt. Dies ist legal in der Schweiz. In der EU soll das \u00abLieferkettengesetzt\u00bb dies in der Zukunft f\u00fcr grosse H\u00e4ndler verbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend kann man sagen, dass es viele Gute Ideen gibt, aber diese oft nicht so direkt realisierbar sind. Das liegt an den Realit\u00e4ten vor Ort im Anbau, in der Produktion, im Transport oder den Preisvorstellung der Kunden. ZRCL produziert auch in der Schweiz z.B. Pullover, aber viele Kunden sind nicht bereit die verh\u00e4ltnism\u00e4ssig hohen Preise von ca. 200 CHF daf\u00fcr zu bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentraler Gedanke ist also die Schaffung eines Nachhaltigkeits-Bewusstseins. Dies vor Ort beim Anbau von Rohstoffen, indem ohne gentechnisch ver\u00e4ndertes Saatgut und ohne grosse Mengen von Pestiziden gearbeitet wird, aber auch in der Produktion durch humane Arbeitsbedingungen und faire L\u00f6hne. Zuletzt bei der Zielgruppe, welche sich bewusst sein muss, was sie einkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nlich k\u00f6nne man viel tun, um nachhaltiger zu sein in Sachen Mode. Nur kaufen, was man wirklich braucht. Kleidungsst\u00fccke reparieren lassen. Secondhand kaufen und Kleider in den Secondhand-Markt geben. Kleidung wertsch\u00e4tzen und sorgf\u00e4ltig damit umgehen. Sich beim Kauf genau informieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ideen f\u00fcr die Stiftsschule:<\/p>\n\n\n\n<p>Thematik konkret einbauen in Unterricht: Anbaumethoden, Logistik in der globalisierten Welt, Produktionsverfahren, Umweltverschmutzung, wirtschaftliche \u00dcberlegungen, Folgen der Globalisierung f\u00fcr lokale Bev\u00f6lkerungen, Umgang mit Ressourcen\/Rohstoffen, historische lokale Produktion und Verarbeitung in der Schweiz usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleidung an der Stiftsschule: Stiftspullover \u00fcberpr\u00fcfen. Schuluniform k\u00f6nnte sehr nachhaltig sein. Kleidertauschschrank einrichten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.wearezrcl.com\/activist\/team-kilian\">Kilian \u2022 Team \u2022 WE ARE ZRCL<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.wearezrcl.com\/nachhaltigkeit\">Nachhaltigkeit \u2022 WE ARE ZRCL<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Silvan Wirthensohn Kilian Wiget stellt sich und seine Kleidermarke ZRCL vor. 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